Deutschland modernisiert das als ÜberallFernsehen etablierte DVB-T


ueberallfernsehen logoMit der vollständigen Analog-digital-Umstellung von 2002 bis Ende 2008 in Deutschland war das Antennenfernsehen der erste TV-Verbreitungsweg, der komplett auf Digitalempfang umgestiegen ist. Zwei Jahre früher als geplant konnten damit die Fernsehhaushalte eine größere Programmvielfalt via Antenne genießen als zuvor analog. Dadurch gehörte Deutschland bei Digital Video Broadcasting-Terrestrial (DVB-T) zur Spitzengruppe der europäischen Länder, die sich vom analogen Antennenfernsehen verabschiedet hatten (Übersicht DVB-T).

Dem Digitalisierungsbericht 2016 zufolge nutzen mittlerweile rund 3,4 Millionen Haushalte in Deutschland DVB-T über verschiedene Endgeräte (9 Prozent). Der Empfang am TV-Gerät bleibt mit rund 2,6 Millionen TV-Haushalten im Wesentlichen stabil. Während in ländlichen Regionen die Nutzung des digitalen Antennen-TV nur einstellige Prozentzahlen erreicht, liegt sie in Ballungsräumen sogar bei über 20 Prozent. Der Versorgungsgrad in Deutschland mit DVB-T liegt derzeit bei über 90 Prozent, wobei nicht in allen Regionen auch Privatsender empfangbar sind. Mehr als 74 Millionen Einwohner können das „ÜberallFernsehen" über eine Hausantenne - auf oder unter dem Dach - empfangen, davon 24 Mio. nur mit einer Zimmerantenne. Für etwa 30 Prozent der Bevölkerung ist der Empfang mit einer Zimmerantenne bzw. auch der portable und mobile TV-Empfang möglich. Unter www.ueberallfernsehen.de kann man sich mit Hilfe eines interaktiven Werkzeugs die individuelle Empfangssituation anhand einer Karte zeigen lassen (Prognose-Tool).

Die Anzahl verkaufter DVB-T-Empfangsgeräte beträgt laut Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) bundesweit über 73 Millionen. Bei nahezu allen Flachbildschirmen ist DVB-T inzwischen serienmäßig eingebaut, so dass kein zusätzlicher Receiver mehr notwendig ist. Die Nutzung unterwegs ist mit portablen Endgeräten und auch mit USB-TV-Sticks für Laptops und Notebooks möglich. Dazu kommen noch DVB-T-fähige Navigationsgeräte, Zusatzmodule für Smartphones und Tablets sowie Festeinbauten in Kraftfahrzeugen. Allerdings ist mittlerweile DVB-T2 HD als Nachfolger in Deutschland gestartet und geht am 29. März 2017 in fast 18 Ballungsräumen in den Regelbetrieb. Dann werden dort die DVB-T-Multiplexe auf DVB-T2 HD umgestellt - bis Mitte 2019 ist der vollständige Übergang deutschlandweit vereinbart.

Vielfältige Aktivitäten der Deutschen TV-Plattform zur Umstellung

Von Anfang an hat die Deutsche TV-Plattform die Umstellung des Antennenfernsehen aktiv unterstützt (Vortrag). Spezielle Arbeitsgruppen des Vereins beschäftigten sich mit DVB-T und definierten Mindestanforderungen an Geräte und Antennen. Auf dieser Basis hatte die Deutsche TV-Plattform ein Gütesiegel (Logo für Empfangsgeräte und Antennen) als Orientierung für Verbraucher und Handel in den letzten Jahren vergeben. Seit 2015 vergibt der Verein Logos für DVB-T2 HD-Geräte und -Antennen, die jeweils Mindestanforderungen erfüllen müssen (Geräteliste).dvb t s

Auch mit neuen Trends beim terrestrischen TV-Empfang haben sich die Experten der Deutschen TV-Plattform beschäftigt. So gab es im Mai 2011 einen Workshop zum so genannten Handover für mobilen TV-Empfang in Fahrzeugen - in Kooperation mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München. Mitglieder des Vereins wie ARD, ZDF und IRT arbeiteten seit 2010 aktiv an der Verknüpfung von Internet und TV beim terrestrischen Digitalfernsehen. Inzwischen bieten fast alle großen Sendergruppen in ihren Programmen die rote Taste für Zusatzdienste im HbbTV-Standard auch über Antenne an. Als Sendenetzbetreiber hat Media Broadcast im Februar 2012 den HbbTV-Service Multithek gestartet - beides soll es künftig auch bei DVB-T2 HD geben.

dvb t2 sZugleich wurde international mit DVB-T2 ein neuer terrestrischer TV-Standard entwickelt (DVB-Factsheet). Er kann dank höherer Kompressionsraten als bei dem in Deutschland genutzten DVB-T-Standard noch mehr Programme bzw. HDTV übertragen. Er wird als DVB-T-Nachfolger von weltweit 73 Ländern erprobt und eingeführt (DVB-Vortrag IFA 2015). Auch in Deutschland sind erfolgreich Testprojekte gelaufen, u.a. in Norddeutschland, in Berlin und München. So wurde etwa der Abschlussbericht DVB-T2 Nord bei der IFA-Pressekonferenz 2012 an die Deutsche TV-Plattform übergeben. Danach gab es weitere Pilotprojekte zu DVB-T2 mit HEVC in Berlin, München sowie Köln. Aufgrund der Erfahrungen startete am 31. Mai 2016 in 18 Ballungsräumen die erste Stufe der Einführung von DVB-T2 HD in jeweils einem zusätzlichen Multiplex - der Regelbetrieb beginnt deutschlandweit ab 29. März 2017. Auch daran ist die Deutsche TV-Plattform - insbesondere die AG Terrestrik & mobile Media - aktiv beteiligt (Webspecial).

Frequenz-Versteigerungen reduzieren Rundfunk-Spektrum

Mehrere Jahre lang begleitete die Deutsche TV-Plattform kritisch die Umwidmung eines Teils der Rundfunk-Frequenzen auf Mobilfunk (Digitale Dividende) - u.a. mit Studien zur Verträglichkeit und möglichen Störungen (TV-Empfangswege/Fachpublikationen). Zwar können durch die Digitalisierung des Antennenfernsehens terrestrische Übertragungskapazitäten vom Rundfunk geräumt und für mobiles Breitband-Internet genutzt werden. Allerdings bedarf es vernünftiger Rahmenbedingungen - u.a. brauchen Rundfunksender und Sendenetzbetreiber Zeit und Refinanzierung für die Umstellung. Bereits 2010 wurden von der Bundesnetzagentur UHF-Frequenzen zwischen 790 und 862 MHz (Kanäle 61 – 69) an Mobilfunkbetreiber versteigert. Nach dieser „Digitalen Dividende 1" wurde Ende Mai/Anfang Juni 2015 als "Digitale Dividende 2" auch das 700-MHz-Band versteigert. Allerdings wird es noch für DVB-T-Programme genutzt und auch für die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 benötigt. Mit einer Umwidmung ist in einzelnen Regionen erst ab 2017 und dann bundesweit schrittweise bis Mitte 2019 zu rechnen, wenn der Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 HD vollendet ist (Überblick DVB-T2).